Ich will doch kurz nochmal auf die Luftschlangengrinchthematik von letzter Woche zurückkommen…. Wer hat denn schon Zeit für Karnevalsgedanken, wenn man sich ab dem 11.11. zugesteht, soviel Weihnachtsmusik hören zu dürfen, bis es einem zu den Ohren raus kommt…. und dann kommt es einem noch nichtmal zu den Ohren raus, sondern man grinst kreuz und quer durch das ganze Gesicht!Vorweihnachtszeit light beginnt mit dem ersten Tag der Herbstferien, naja, eigentlich nach der letzten Schulstunde, denn mit Beginn der Herbstferien ist bei uns offizielle ab-jetz-darf-man-zumindest-schonmal-Spekulatius-kaufen-Saison. Bei Lebkuchen und Co habe selbst ich allerdings zu der Zeit noch leichte Skrupel, die müssen dann mindestens bis nach St. Martin warten. Grundsätzlich denke ich an dieser Stelle aber auch „Hey… das Zeug ist genau jetzt frisch. Warum sollte man es in den Läden vor sich hingammeln lassen?“ Möchte mich jetzt jemand als Werbestratege für Weihnachtsnaschwerk beauftragen?Während manche Haushalte es auf bewundernswerte Weise drauf haben, jede Saison des Jahres immer passend zu dekorieren, wo kleine Osterhasen die Luftschlangen und Girlanden ablösen, um danach zugunsten von maritimer Sommerdeko (je nach Geschmack könnte es aber auch die Südseevariante sein) wieder in der Frühlingsdekokiste zu verschwinden, wo mit dem ersten verfärbten Blättchen am Baum die geschmackvolle Herbstdeko aufgestellt wird, die sich seit ein paar Jahren aber manchmal auch den Platz mit Halloweendeko teilen muss, weshalb immer häufiger Skelette und abgehackte Gliedmaße die Hauseingänge zieren, da soll es Leute geben, die ihre Deko im und um das Haus herum sehr leicht definieren können: Weihnachtsdeko …und Nichts. Dafür dürfen es dann aber auch ab Mitte November die weihnachtlichen Geschirrtücher sein und sogar weihnachtliche Zahnputzbecher. Auf das Klopapier mit Rentieren und Zimtaroma verzichtet man allerdings dann doch lieber! Wo bei anderen zur Karnevalszeit Luftschlangen hängen, werden im Weihnachtshaushalt Lichterketten drapiert. Ich frage mich, warum es so lange gedauert hat, batteriebetriebene Lichterketten zu erfinden. Und ja, auch die Alltagstassen werden mittlerweile durch ein Sammelsurium von Weihnachtstassen ersetzt.Ich weiß nicht genau, was das faszinierende an der Weihnachtszeit ist. Zumindest für diejenigen, die diese Zeit mögen. Tatsächlich kenne ich Menschen, die diese Zeit aus tiefstem Herzen furchtbar finden. Da kann man dann nichts machen, nach drei Bechern Glühwein geht es dann aber meistens für eine Weile, da findet sich sogar für den Rest des Tages ein seeliges Grinsen im Gesicht.Vielleicht rührt es von den eigenen Kindheitserinnerungen her, vielleicht war das schon damals die einzige Zeit im Jahr war, wo saisonal geschmückt wurde… Da musste es ja etwas besonderes sein. Und es gab Sachen, die es nur dann gab. Spekulatius, Mandarinen, Nüsse zum knacken, Plätzchen backen. Vielleicht steckt der Trigger aber auch in der Musik. Da wo einige durch das Trömmelchen gerufen werden, springen andere auf Glöckchen- und Glockenklang an und das Geräusch von Pferdegetrappel im Schnee, das leise Flirren wie von Schneeflocken, die durch die Luft rieseln, Streicher, die durch die Ohren schweben wie der Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln. Die Harmonie von hässlichen Weihnachtspullovern aus 100% Erdöl gepaart mit Drei-Wetter-Taft-fixierten Fönfrisuren aus den 80ern. Wo die Frisur auch noch hält, nachdem man im Pelzmantel zur abgelegenen Hütte gelatscht ist und sich unterwegs eine fette Schneeballschlacht geliefert hat. Auf Weihnachten ist irgendwie Verlass. Man weiß was kommt, und wenn es „Last Christmas“ ist. Und etwas Verlässliches schenkt uns doch ein gutes Gefühl. Den Jecken zum Karneval und den Weihnachtswichteln ab Beginn der Herbstferien.