Rund 40% der Bevölkerung haben “während Corona” zugenommen.

Als betroffene Person kann man sich überlegen, ob es beruhigend ist, dass man nicht alleine mit diesem Problem dasteht oder ob man es einfach Scheiße findet, dass man nicht doch mal zur Mehrheit gehört.

Am Ende steht man vorallem mit zuviel von sich selbst da.
Der Vorteil ist, dass man nicht lange überlegen muss, was man anzieht. An den Tagen, an denen die Jogginghose nicht das Kleidungsstück der Wahl sein sollte zumindest.
Man nimmt die Hose, die noch passt…. und das Oberteil, das noch irgendwie geschickt den Übergang von Hosenbund zu Bauchmasse so verdeckt, dass wenigstens nicht allzu offensichtlich die Muffintop Problematik das Auge des aufmerksamen Beobachters streift. Gar nicht so ein einfaches Unterfangen, denn so ein Quillbauch ist durchaus ein Hingucker, ob man will oder nicht.

Vielleicht hat jemand schonmal gesehen, wie großzügig sich so ein Muffinteig während des Backvorgangs aus der Papierform heraus zunächst nach oben und schließlich sehr saftig über den Papierförmchenrand hinaus ausdehnt.

Man kann sich dann vorstellen, wie sich auch die Bauchmasse ihren Weg in die Freiheit sucht, wenn der Hosenbund nicht mehr nachgeben möchte, die Bauchmasse aber trotzdem irgendwo hin muss. Sie geht den Weg des geringsten Widerstandes, kriecht über den Bund hinaus und folgt dann irgendwann den Gesetzen der Schwerkraft.

Im Grunde könnten die Vanilia und Replay Hosen der frühen 90er Jahre die perfekte Lösung sein mit ihren hohen Hosenbünden, die ungefähr bis zum untersten Rippenbogen reichten. Zumindest eher als die danach folgenden low rise Jeans. Diese gab es vermutlich nur, damit man das Calvin Klein Unterbuxengummi oder das Arschgeweih gut sehen konnte. Übersetzt in Bauchsprache wäre dieses Modell zuviel Teig in zu kleiner Muffinform. Kein Oberteil der Welt könnte dies schönkaschieren.

Stülpen sich Arschgeweihe eigentlich mittlerweile auch über den Hosenbund?

Aktuell scheinen die Hosenbünde wieder nach oben zu wandern, gut für Quillbäuche, aber wenn man genau hinschaut, erinnert man sich wieder, dass es ästhetisch betrachtet Sinn ergibt, dass Karottenhose und Co irgendwann von der Bildfläche verschwunden waren. Außer man trägt Bundweite 8 bis 28, dann ist es eh egal, was man trägt. Aber dann isst man vermutlich auch keine Muffins.

Als Teil der 40% steht man jetzt da mit seinem zuviel von sich selbst und weiß nicht, wohin mit dem Bauch.

Und die Oberarme sprengen auch nicht den zarten T-Shirt-Ärmel, weil sie extrem muskulös wären. Das merkt man, wenn man aus Versehen kurz mal winkt und dann fünf bis zehn Minuten lang in Bewegung bleibt. Eigentlich ganz schön, dass es die letzten Monate zu kalt für kurze Ärmel war.

-Dramatisch ist, dass man als Teil der 40% heute sehnsüchtig Fotos betrachtet, auf denen man sich seinerzeit auch schon zuviel fand. Wie naiv war es doch zu glauben, dass die maximale Ausdehnung bereits erreicht sei. Haha!
-Blöd ist, wenn das soziale Umfeld aus den anderen 60% besteht.
-Positiv ist, dass die großzügige Fettausstattung sämtliche Falten ganz hübsch unterfüttert. Man braucht sich noch nichtmal theoretisch mit Auffüllspritzen beschäftigen. Die Maske verdeckt in der Öffentlichkeit das Doppelkinn, und beim Zoomen sorgt man einfach dafür, dass die Kamera einen nie von unten erwischt.
-Verdächtig ist, wenn man auch bei rasant sinkender Inzidenz weiterhin auf Maske und Zoomtreffen besteht.
-Ein Akt der Verzweiflung ist es, wenn man es ernsthaft in Erwägung ziehen würde,  im Hochsommer Quetschwäsche zu tragen, um den Bauchteig unter Kontrolle zu halten.
-Die Frage ist, ob “Du bist aber viel geworden!” oder “Du bist aber alt geworden!” besser zu ertragen wäre.

Man könnte sich überlegen, ob man online lieber einen Kurs “Ran an den Speck! Zurück in Form fast wie von selbst” oder “Wie schön, dass es von Dir so viel gibt, jetzt finde dich endlich super!” buchen möchte. Die Coaching Angebote sind in den letzten Monaten ja regelrecht explosionsartig aus dem Nichts aufgepoppt. Exponentielles Wachstum auf allen Ebenen. Toll! Da ist für jeden was dabei!

Fehlt eigentlich nur noch die perfekte Hose….