Ich bin eine Person mit „Migrationshintergrund“, manche sagen auch „-vordergrund“, und neuerdings soll dieser Begriff wohl komplett gestrichen werden, damit wäre ich dann also… eine Person.
Egal wie man es nennen mag, wenn ich heute darüber nachdenke, gab es schon ein paar Dinge in meinem Alltag, die eindeutig auf meine philippinische Mutter zurückzuführen sind.

Als Kind aß ich mit großer Begeisterung Reis mit Bagoong. Nie, wirklich nie habe ich mir damals Gedanken darüber gemacht, dass „Bagoong“ ja aus irgendwas hergestellt sein musste, um diesen salzig-würzigen Geschmack an meinen reiskochergekochten Reis zu bringen.
Überhaupt… so ein Reiskocher… Wahrscheinlich ist er heimlich der Thermomix der 70er und 80er Jahre, denn auch er war schon immer in der Lage, ohne Aufsicht Essen zuzubereiten.
Zutaten in den Topf füllen, einschalten, und irgendwann entscheidet das Gerät sogar komplett selbstständig
„So, jetzt ist genug, fertig!“ und schaltet sich aus. Sogar ohne den „düdüdüdüüüt….düdüdüdüüüt“-Thermomix-Jingle. Einfach aus. Mit einem leicht leise scheppernden „klack“. Damit sprang der orange leuchtende An-Knopf wieder in seine Ausgangsposition zurück, mehr Einstellungen gab es nicht.

Ok… die Zutaten waren Reis und Wasser oder ….Wasser und Reis, und er konnte auch nicht gleichzeitig garen und rühren, aber ganz ehrlich: WER rührt bitteschön Reis????
Wenn du gerade aufzeigen wolltest, melde dich bei mir, ich kann dir helfen!

Im Übrigen hatte Onkel Ben Unrecht! Immer wollte er uns weismachen, dass die Reiskörner quasi auf den Teller rieseln mussten. Ja, da liegen dann die einzelnen Reiskörner, und jetzt bekomm die mal auf ein Essbesteck deiner Wahl!

…. Stäbchen….

Ehrlich gesagt glaube ich ja ein bisschen, dass man ihn aus der Werbung gestrichen hat, weil er so einen Quatsch verzapft hat. Vielleicht wurde irgendwannn ein Asiate Onkel Bens Chef und konnte sich das Elend nicht mehr ansehen. Dass man so auch gleichzeitig endlich einen klassischen Klischee-Schwarzen aus der Öffentlichkeit geholt hat, war außerdem schön mitgenommen.

Was Mayo zur Pommes und Senf zur Wurst sind, ist Bagoong zu… fast allem, und geht damit automatisch mit Reis einher, denn den gibt es auf den Philippinen nunmal auch …zu fast allem. Jede philippinische Frau im Alter meiner Mutter, die vom Heimatbesuch nach Deutschland zurückkehrte, brachte Bagoong mit.
Ich erinnere mich an relativ große Konservendosen, deren Inhalt nochmal extra in Folie verschweißt war. Himmel, die hätten sonstwas hierher schmuggeln können, schätze ich.

Aber Gnade ihnen Gott, wenn die Zollbeamten auch nur eine einzige Dose geöffnet hätten. Es hätte eine Geruchsexplosion gegeben wie mit Salz zerschredderter Fisch (und wir sprechen hier nicht von ein bisschen Filet, also sowas wie Fisch für Anfänger, sondern von einem ganzen Tier), den man mehrere Wochen hätte stehen lassen, damit er nach seinem gewaltsamen und viel zu frühen Tod noch weiter sterben könne, um am Ende als Bagoong aufzuerstehen.

Der gesamte Frankfurter Flughafen hätte evakuiert werden müssen, ein Sondereinsatzkommando wäre mit Gasmasken herbeigeeilt und hätte den Inhalt der Dose sofort luftdicht in Beschlag und eine kleine philippinische Frau als Giftgasattentäterin in Gewahrsam genommen.

Denkbar, dass ein einziger naiver Zollbeamter aus Langeweile oder Übereifer irgendwann mal so eine Dose geöffnet hat….. Seitdem lernen die Zoll-Lehrlinge vermutlich in der ersten Stunde schon
„Keine Dosen öffnen, die von kleinen philippinischen Frauen auf der Rückreise nach Deutschland eingeführt werden.“
„Aber wenn der Drogenhund anschlägt?“
„NICHT öffnen!!!“

Ich habe schon lange keinen Reis mit Bagoong mehr gegessen, manchmal ist es viel schöner,wenn man nicht so viel weiß.
Aber Fisch zerschreddern…. das könnte mein düdüdüdüüüt sicherlich auch….